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EADS-Astrium-Experimentieranlagen halten Forschung auf der ISS in Schwung

EADS SPACE

15. Dezember 2006

EADS-Astrium-Experimentieranlagen halten Forschung auf der ISS in Schwung
© EADS Astrium GmbH

Discovery-Mission ist wichtiger Schritt zur Vorbereitung auf Columbus

Bremen/Friedrichshafen, 15. Dezember 2006 - Während sich der deutsche Astronaut Thomas Reiter auf seine Rückkehr von der Internationalen Raumstation ISS vorbereitet, gehen die Forschungsarbeiten an Bord der Station unvermindert weiter; unter anderem mit Experimentieranlagen, die von Europas größtem Raumfahrtkonzern EADS Astrium entwickelt und gebaut wurden.

"Die zu Ende gehende Mission von Thomas Reiter und der aktuelle Flug der Discovery mit dem schwedischen ESA-Astronauten Christer Fuglesang markieren wichtige Etappen zur intensivierten Forschungsarbeit an Bord der ISS und bilden einen entscheidenden Schritt zum Ausbau der Station", so EADS Astrium Geschäftsführer Evert Dudok am Donnerstagabend vor Journalisten. "Künftig gibt es kaum noch einen Flug von oder zur Raumstation bei dem nicht Experimentieranlagen oder Experimente, die von unseren Spezialisten entwickelt oder vorbereitet wurden, unterwegs sind." Die Neukonfiguration der Station und die verbesserte Stromversorgung seien wichtige Vorbereitungsschritte für die für das kommende Jahr geplanten Flüge mit dem Versorgungsmodul ATV und die Inbetriebnahme europäischen Raumlabors Columbus, so Dudok weiter. "Wir stehen an Startposition vier, d.h. nach dieser und drei weiteren Missionen werden wir Columbus in etwa einem Jahr zur Raumstation transportieren. Europa verfügt dann mit Columbus über das weltweit beste Forschungslabor im Weltraum - gebaut unter der Führung der EADS-Astrium-Ingenieure aus Bremen.

EADS Astrium leistet erhebliche Beiträge zu den Forschungsaktivitäten an Bord der ISS. Im Auftrag der ESA baute die EADS Astrium die Gefriereinrichtung MELFI (Minus Eighty Degree Laboratory Freezer) und das Minigewächshaus EMCS (European Modular Cultivation Sytem). Beide Anlagen wurden mit dem US Space Shuttle Discovery (Start: 4. Juli) ins Weltall gebracht. Die Experimentieranlagen wurden u.a. von dem deutschen Astronauten Thomas Reiter installiert und gehandhabt.

Die Gefriereinrichtung MELFI erlaubt den Astronauten, über die Dauer ihrer Mission an Bord der ISS gesammelte biologische Proben menschlichen, tierischen und pflanzlichen Ursprungs zu konservieren, damit diese nach ihrem Rücktransport zur Erde von Wissenschaftlern analysiert werden können. Für diesen Zweck entwickelte EADS Astrium das Kühlgerät, das Temperaturen von bis zu minus 80 Grad Celsius erreicht, um die Proben bis zu zwei Jahre lang in einwandfreiem Zustand aufbewahren zu können.

Genau wie MELFI ist auch das Europäische Modulare Kultivierungssystem EMCS mit der Shuttle-Mission STS-121 im Juli zur Internationalen Raumstation gebracht worden. Das von EADS Astrium in Friedrichshafen entwickelte EMCS ist ein Inkubator zur automatischen Prozessierung unterschiedlicher Organismen - von Pflanzen bis zu aquatischen Kleinstlebewesen. In zwei Zentrifugen können die Auswirkungen der Schwerelosigkeit und auch die Einflüsse unterschiedlicher Schweregradienten, beispielsweise der Mond- oder Marsschwere, untersucht werden. Diese Ergebnisse dienen der Grundlagenforschung, um Mechanismen auf zellulärer bzw. genetischer Ebene besser zu verstehen und Rückschlüsse auf medizinische Fragestellungen zu liefern. Zur ersten "Beschickung" der EMCS gehörte Schottenkresse (Arabidopsis), deren genetischen Code man gänzlich kennt und sich deshalb als "Modellpflanze" für Forschungen besonders eignet. An Bord der Discovery befindet sich diesmal unter anderem das in Friedrichshafen entwickelte Experiment GRAVI welches das erste europäische Experiment in dem EMCS darstellt.

Das Experiment der Wissenschaftlerin Dominique Driss-Ecole von der Universität Pierre et Marie Curie Paris, soll eine Aussage darüber gewinnen, wie die Entwicklung von Pflanzenwurzeln von der Schwerkraft beeinflusst wird und "Schwerereize" innerhalb der Pflanze verarbeitet werden. Um dies möglichst optimal beobachten zu können, werden nun Linsensamen in speziell angepassten Experimentaufbauten in die Internationalen Raumstation gebracht und dort für einige Tage untersucht. Ein Team von EADS Astrium Mitarbeitern aus Friedrichshafen wird dann vom 18. bis zum 30. Dezember nach Trondheim, Norwegen, reisen, um die Durchführung des Experiments vom dortigen User Support Centre zu unterstützen.

Die Entwicklung der Experimenteinheit wurde in einem Zeitraum von zwölf Monaten realisiert und in Kooperation mit Wissenschaftlern aus Frankreich sowie den Partnern vom User Support Zentrum in Norwegen verwirklicht. Das Experiment GRAVI ist das erste von sechs europäischen Experimenten, die innerhalb der nächsten zwei Jahre auf die ISS gebracht werden sollen und in Friedrichshafen entwickelt wurden. Sie sollen eine bessere Aussage über Pflanzenwachstum und Zellentwicklung geben. Neben einem besseren Verständnis bei Umweltschutzfragen, sollen die Ergebnisse der Versuche wertvolle Erkenntnisse zur Entwicklung von Pflanzenhabitaten für Mond- oder Marsmissionen liefern.

Außerdem befindet sich an Bord der Discovery eine spezielle, wieder verwendbare Nutzlast-Vorrichtung, die EADS Astrium, Bremen, im Auftrag der NASA eigenes für die Ladebucht des Space Shuttles entwickelt und gebaut hat. Dieser so genannte Integrated Cargo Carrier, ICC, ist vergleichbar mit einer High-Tech-Transportpalette, auf der die gesamte nicht druckbeaufschlagte Ladung, die für den Außenaufbau benötigt wird, Platz sparend untergebracht werden kann. Dank des ICC kann die Auslastung der Ladebucht des Space Shuttles erheblich verbessert werden. Unter anderem werden bei der aktuellen STS-116-Mission von der Palette aus drei Kleinst-Satelliten ausgesetzt werden.

EADS Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist das führende Unternehmen für zivile und militärische Raumfahrtsysteme in Europa. Im Jahr 2005 erreichte EADS Astrium einen Umsatz von 2,7 Milliarden EURO und beschäftigte rund 11.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien. EADS Astrium hat zwei Geschäftsbereiche: "Space Transportation" für Trägerraketen und orbitale Infrastruktur und "Satellites" für Satelliten und Bodeninfrastruktur. Die EADS-Astrium-Tochtergesellschaft "EADS Astrium Services" entwickelt und liefert Satellitendienstleistungen.

Der EADS-Konzern ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2005 lag der Umsatz bei rund 34,2 Milliarden EURO, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 113.000.

Pressekontakt:

Mathias Pikelj, Tel.: 07545 / 8 9123