Herschel
Ein alles revolutionierendes Weltraumteleskop

Das Weltraumobservatorium Herschel der ESA (früher Fern-Infrarot- und Submillimeter-Teleskop bzw. FIRST genannt), das im Mai 2009 mit einer Ariane 5 gestartet wurde, ist das erste Weltraumteleskop einer neuen Generation.

Mit einer Höhe von etwa siebeneinhalb Metern, einer Breite von vier Metern und einem Gewicht von etwa drei Tonnen ist es größer als alle seine Vorgänger. Als erstes Weltraumteleskop deckt es das gesamte Fern-Infrarot- und Submillimeter-Wellenband ab, und zudem ist es das größte, das auf solchen Wellenlängen arbeitet. Es ist 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt im zweiten Lagrange-Punkt stationiert, in größerer Entfernung als irgendein Weltraumteleskop zuvor.

Weltraumobservatorium Herschel

Die bahnbrechenden Entwicklungen von Astrium im Bereich leichte Siliziumkarbid-Technologie dienten als Basis für die Realisierung dieses Programms; Astrium erhielt den Auftrag, das vollständig aus Siliziumkarbid (SiC) bestehende Weltraumteleskop des Satelliten zu bauen, der das Licht von fernen und kaum bekannten Objekten einfängt, zum Beispiel von neu entstandenen Galaxien, die Tausende von Millionen Lichtjahren entfernt sind.

Weltraumobservatorium Herschel- Teleskop neuester Technologie SiC ist ein außergewöhnlicher Werkstoff, dessen mechanisch-thermale Eigenschaften die Konstruktion sehr großer, aber ultraleichter Geräte ermöglichen: der Spiegel von Astrium ist mit seinen 3,5 m das größte je in den Weltraum transportierte bildererzeugende Teleskop und wiegt doch nur 350 kg, während es in der Standardtechnologie ausgeführt 1,5 Tonnen wiegen würde.

Im Rahmen eines zweiten Vertrags ist Astrium verantwortlich für das komplett integrierte Nutzlastmodul des Satelliten, bestehend aus:

  • Kühlbehälter
  • Optische Bank
  • Leitungssatz für die wissenschaftliche Instrumente
  • Solargenerator und Sonnenblende (bereitgestellt von Dutch Space, einer Tochtergesellschaft von Astrium)
  • Schnittstellengefüge für das Teleskop und SVM
  • Sowie die Weltraumtauglichkeit des Satelliten im Rahmen des AIT-Programms nachweisen..

Damit die Instrumente nicht durch die eigene Wärmestrahlung geblendet werden, müssen sie im Kühlbehälter (Kryostat) bis auf minus 271 Grad Celsius - etwa zwei Grad über dem absoluten Nullpunkt - gekühlt werden. Bei dieser Temperatur kann über die empfindlichen wissenschaftlichen Instrumenten Einblick in die unbekannten Bereiche des kalten frühen Universums genommen werden.

Das Kryostat ist das Herzstück des Nutzlastmoduls, das unter der Federführung von Astrium gebaut wurde. Die niedrige Temperatur erreicht man mit suprafluidem Helium.

Bei dem Bau des Kryostaten konnte Astrium auf die Erfahrungen mit Herschels Vorgänger, dem europäischen European Infrared Space Observatory (ISO) zurückgreifen. ISO arbeitete von 1996 bis 1998 äußerst erfolgreich.

Broschüre (english version)- PDF, 3,9 MB

Wussten Sie ?
Lagrange-Punkt
Wenn das Herschel-Teleskop von seiner Orbitalposition am Lagrange-Punkt L2 (der auf einer Achse durch Sonne und Erde rund 1,5 Millionen Kilometer außerhalb unserer Umlaufbahn liegt) mit der Erde kommuniziert, braucht das Signal für den Hin- und Rückweg etwa 10 Sekunden.

Ein Lagrange- oder Librations-Punkt ist eine Position im Weltraum, an der sich die Gravitationskräfte zweier umeinander kreisender Körper von erheblicher Masse – zum Beispiel Sonne und Erde – gegenseitig aufheben, so dass sie für einen dritten Körper (mit im Verhältnis zu den anderen beiden verschwindend geringer Masse) einen Gleichgewichtspunkt schaffen, der bewirkt, dass sich die Position der drei Körper zueinander nicht verändert. Lagrange-Punkte sind demnach Orte im Weltraum, an denen zum Beispiel ein Satellit im Verhältnis zu zwei anderen Körpern stabil positioniert ist. Raumfahrtmissionen nutzen im Wesentlichen die Lagrange-Punkte L1 und L2.

Der Lagrange-Punkt L2 befindet sich 1,5 Millionen Kilometer außerhalb der Erdumlaufbahn um die Sonne und eignet sich besonders für Weltraumbeobachtungen. So sind die Teleskope Planck Surveyor und Herschel sowie 2013 das James Webb Space Telescope auf diesem Punkt stationiert.

Seit 1995 befindet sich der Sonnenbeobachtungssatellit SoHO (Solar and Heliospheric Observatory) auf dem Lagrange-Punkt L1 auf der Verbindungslinie Erde-Sonne in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde.

  • Hintergrund
    • Integral_satellite_artist_view
      Blick in die Kinderstube des Universums
    • 732_photo1
      Geo-Information, oder geographische Information, ist der Fachausdruck der für alle Auskünfte, die…
  • Die Entdeckungsreise geht weiter