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BepiColombo - Auf dem Weg zum Merkur
Nach dem kühlen Mars und der heißen Venus wendet sich Europas Raumfahrt nun dem noch weitgehend unerforschten Merkur zu. Astrium Deutschland wird im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA die Merkur-Sonde BepiColombo bauen.

BepiColombo wird aus drei Modulen bestehen: je einem europäischen und japanischen Orbiter sowie einem Antriebsmodul, das die beiden Sonden zum Merkur transportiert. Die gesamte Einheit wird etwa sechs Meter hoch sein und rund vier Tonnen wiegen. Rund ein Drittel davon ist Treibstoff.

Astrium Deutschland ist für das komplette `dreiteilige´ Raumfahrzeug verantwortlich und wird in diesem Rahmen von den europäischen Fähigkeiten und Kompetenzen profitieren. In Großbritannien ist Astrium für den Bau des elektrischen und chemischen Antriebssystems sowie für die gesamte Struktur aller drei Module verantwortlich. Astrium in Spanien wiederum hat die Struktur für das Transfermodul - auf Basis der  neuesten Kohlefasertechnologie - entwickelt und gebaut. Astrium in Frankreich wird die on-board Software auf der Basis der schon im Weltall fliegenden Sonden Rosetta, Mars Express und Venus Express entwickeln.

Der Start ist für Juli 2014 vorgesehen. Eine Ariane 5 Rakete wird BepiColombo vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou aus zunächst auf eine interplanetare Flugbahn bringen. Für den insgesamt sechs Jahre dauernden Flug zum Merkur werden sowohl die elektrische Antriebssysteme als auch einige planetarische Swingby-Manöver um die Erde, die Venus und den Merkur selbst genutzt.

Wussten Sie ?
Giuseppe ("Bepi") Colombo - Vater der Swing-by-Manöver
Giuseppe (Bepi) Colombo (1920–1984).

Giuseppe Colombo war ein erfolgreicher Mathematiker und Ingenieur. Geboren 1920 in Padua (Italien) besuchte Colombo in seiner Heimatstadt die Grund- und Oberschule. 1944 promovierte er an der Universität Pisa in Mathematik und ging anschließend zurück nach Padua und arbeitete dort als Assistent und außerordentlicher Professor in theoretischer Mechanik. 1955 erhielt er die volle Professur in angewandter Mechanik an der Fakultät für Ingenieurswesen. Er lehrte Schwingungs- und Himmelsmechanik; in seinen letzten Jahren aber auch zu den Themen Raumfahrzeuge und Raketen.

Der unter seinem Spitznamen Bepi bekannte Professor war maßgeblich an der Planung der bisher einzigen abgeschlossenen Merkur-Mission Mariner 10 (1974/75) beteiligt. Er schlug die Flugbahn vor, auf der erstmals eine Sonde einen Swing-by an einem Planeten - in diesem Fall der Venus - ausführen sollte und dadurch zum Merkur weitergeleitet werden würde. Colombo gilt somit als Vater der Swing-by Manöver. Colombo war es auch, der die ungewöhnliche Rotationsperiode des Merkurs erklären konnte. Die Verwirklichung der von ihm mitinitiierten Mission Giotto zum Halleyschen Kometen - Start im Juli 1985 - erlebte der Mathematiker nicht mehr. Giuseppe Colombo starb 64-jährig im Februar 1984 an Krebs.

Auf einem Treffen des "Ausschusses für das wissenschaftliche Programm" der Weltraumorganisation ESA im September 2003 in Neapel wurde beschlossen, Europas Mission zum Planten Merkur nach Bepi Colombo zu benennen und damit den Mann zu ehren, dem ein Großteil des heutigen Wissens über den Planeten Merkur zu verdanken ist.