Die PCDF-Anlage wurde im Auftrag der europäischen Weltraumorganisation ESA im “Payload & Life Support Centre” der Astrium in Friedrichshafen entwickelt und gebaut. Sie dient dazu, die Nukleation und Kristallisation von Proteinmolekülen aus Lösungen zu untersuchen. Zu diesem Zweck ist PCDF mit ganz speziellen Diagnose-Instrumenten (Mikroskop und Interferometer) ausgerüstet worden. Der Astrium-Standort Aquitaine (F) lieferte vier Untersysteme für die temperierte Kammer der PCDF, die die Kristallisationsreaktoren beherbergt und die Temperaturkontrolle zu.
Nachdem das US-Space Shuttle Discovery am frühen Morgen des 16. März vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet war, hatte das Astrium-Entwicklungsteam der Protein Crystallisation Diagnostics Facility (PCDF) gespannt auf den Moment gewartet, als die Anlage von den Astronauten in das Europäische Columbus-Labor gebracht wurde. Am vergangenen Freitag, 20. März, wurde nun PCDF in das bereitstehende Europäische Drawer Rack (EDR) für den wissenschaftlichen Betrieb eingebaut und ist mittlerweile erfolgreich in Betrieb. “Alle Untersysteme arbeiten wie vorgesehen”, freut sich Projektleiter Robert Bosch.
Durch die Möglichkeit zur Übertragung von Videobildern aus der PCDF zur Erde werden die Wissenschaftler jederzeit über den aktuellen Fortgang des Experiments informiert. Die Anlage bietet auch die Möglichkeit, über Telekommandos von der Erde aus in die Experimentabläufe einzugreifen bzw. diese zu beeinflussen, um maximale Ergebnisse zu erzielen.
Die vier in der Anlage befindlichen Experimente werden nun bis Ende Juni 2009 durchgeführt und im Anschluss wieder mit einem Space Shuttle zur Erde zurückgebracht.
Die Schwerelosigkeit auf der ISS hilft dabei, dass die bei Versuchen auf der Erde störenden Sedimentationseffekte nicht auftreten und die Kristalle sich ungehindert formieren können. Die genaue Kenntnis über den Nukleationsprozess ist von zentraler Bedeutung, um ausreichend homogene und große Kristalle wachsen zu lassen, welche dann über die so genannte Röntgendiffraktion Aufschluss über das Protein-Molekül liefern können. Dies wiederum kann z.B. in der Pharmazie bei der Entwicklung von neuen Medikamenten eine wichtige Rolle spielen.
Über Astrium
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr 2008 erreichte Astrium einen Umsatz von 4,3 Milliarden € und beschäftigte rund 13.000 Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Im Jahr 2008 lag der Umsatz bei rund 43,3 Milliarden €, die Zahl der Mitarbeiter bei mehr als 118.000.
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