- Infrarot-Observatorium
sucht nach der Sternenentstehung
- Herschel,
integriert und getestet von Astrium, unterwegs zum Europäischen
Weltraumbahnhof
- Astrium
hat das bisher größte Space-Teleskop gebaut, das seine Beobachtungsposition
in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung einnehmen wird
Der europäische Raumfahrtkonzern Astrium ist größter
industrieller Partner beim Herschel-Satellitenprojekt. Als Teil eines
internationalen Industriekonsortiums unter der Führung von Thales Alenia Space
ist der - Astrium-Standort Friedrichshafen für das Nutzlastmodul
verantwortlich, das aus dem Kryostaten (eine Art „Superkühlung"), der
optischen Einheit mit den Instrumenten, dem Solargenerator mit
Sonnenschutzschild (Astrium-Tochtergesellschaft Dutch Space) und einem
Verbindungselement zwischen Service- und Nutzlastmodul (Astrium Spanien)
besteht. Außerdem ist Astrium zuständig für Satellitenintegration und Test. Der
bei Astrium in Toulouse entstandene, sehr leichte, nur 350 Kilogramm wiegende
Herschel-Spiegel aus Siliziumkarbid (SiC) mit seinen 3,50 Metern Durchmesser war
eine der technischen Herausforderungen bei der Realisierung von Herschel.
Herschel wird das größte abbildende Weltraumteleskop sein, das bisher gebaut
wurde. Im Vergleich dazu: das im sichtbaren
Wellenlängenbereich arbeitende Hubble-Teleskop ist mit einem nur 2,40-Meter-Spiegel
ausgerüstet, der rund eine Tonne wiegt.
Der 3,3 Tonnen schweree Satellite ist gegenwärtig auf
dem Weg zum europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guyana. Dort
wird in den nächsten Tagen ein rund dreißig Mann starkes Ingenieurteam von
Astrium mithelfen, das das Infrarotteleskop für seinen am 16. April geplanten
Start mit einer Ariane 5 Trägerrakete vorzubereiten.
Mit dem Weltraumteleskop Herschel wollen die
Wissenschaftler Milliarden von Lichtjahren hinaus ins Weltall schauen und damit
in die Kinderstube der Sterne blicken. Herschel soll entstehende Sterne und
Galaxien im Infraroten mit bis dahin unerreichter Auflösung beobachten.
Herschels Einsatzort ist der so genannte Lagrange L2 Punkt, etwa 1,5 Millionen
Kilometer von der Erde entfernt.
Herschel wird auch noch schwächste Wärmestrahlung von
kosmischem Staub detektieren können, wenn er sich beginnt zu Sternen und
Galaxien zu formen. Damit die empfindlichen Instrumente nicht durch die
Wärmestrahlung, die beim Betrieb des Satelliten entsteht, geblendet werden,
müssen sie im Innern des Kryostaten, eines Kühlbehälters, bis auf minus 271,5
Grad Celsius (weniger als zwei Grad über
dem absoluten Nullpunkt) gekühlt werden. Die niedrige Temperatur erreicht man
mit 2.300 Litern suprafluidem Helium, das für mehr als vier Jahre Betrieb im
Weltraum ausreicht.
Tiefer Blick
ins All
Im infraroten Spektralbereich eröffnet sich den
Astronomen ein gänzlich anderes Universum als im sichtbaren Licht. Infrarotstrahlen haben den Vorteil, dass sie auch Staub- und
Gaswolken durchdringen und den Forschern so tiefe Einblicke in die
Entstehungsprozesse von Sternen und ihrer Planetensysteme bieten, die sich ja
im Innern von riesigen Staubwolken vollziehen. Erst wenn ein junger Stern sich
unter dem Einfluss der Schwerkraft so verdichtet, dass in seinem Innern
Kernfusionsprozesse in Gang gesetzt werden, strahlt er auch sichtbares Licht
aus. Vor der Initialisierung der Kernfusion ist der so genannte Protostern noch
sehr kalt und gibt nur Wärmestrahlung von wenigen Grad Kelvin ab. Für genau
diese Strahlung interessieren sich die Forscher, gibt sie doch Auskunft über
das frühe Entwicklungsstadium.
Ein weiteres Forschungsziel ist die Untersuchung von Galaxien aus
dem jungen Universum, die sich Milliarden Lichtjahre von uns entfernt befinden.
Sie sind nur kurze Zeit nach dem Urknall entstanden und sollen bis zu
hundertmal mehr Sterne produziert haben als das in heutigen Galaxien der Fall
ist. Aufgrund der Ausdehnung des Universums wird das Licht der
„Teenager“-Galaxien hin zu größeren Wellenlängen verschoben, von Astronomen
spektrale Rotverschiebung genannt. Die Infrarotstrahlung der Milliarden
Lichtjahre entfernten Objekte kommt deshalb mit mehr als der doppelten
Wellenlänge bei uns an. Und in genau diesem Bereich werden die Herschel-Sensoren
empfindlich sein.
Mit hochauflösender Spektroskopie soll
Herschel auch die Beschaffenheit von Kometen und Planetenatmosphären sowie von
Oberflächen entfernter Planeten untersuchen.
Das Weltraumteleskop wurde nach Friedrich
Wilhelm Herschel (1738 – 1822), dem Entdecker des Planeten Uranus, der im Jahr
1800 auch die Infrarotstrahlung fand und seiner Schwester Caroline (1750 -
1848), die acht Kometen und drei Nebel entdeckte, benannt.
Über Astrium
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der
EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr
2007 erreichte Astrium einen Umsatz von
3,5 Milliarden € und beschäftigte rund 12.000 Mitarbeiter in Frankreich,
Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft
gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen
und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente
sowie die 100-prozentige Tochter Astrium Services für die Entwicklung und
Lieferung satellitenbasierter Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft-
und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen.
Im Jahr 2007 lag der Umsatz bei rund 39,1 Milliarden €, die Zahl der
Mitarbeiter bei mehr als 116.000.
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