Bereits kurz nach dem Start vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur konnte
vom DLR das erste Bildprodukt in Rekordzeit von vier Tagen vorgelegt werden. Danach
konnten die Inbetriebnahme des Satelliten sowie des Radar-Instrumentes
planmäßig abgeschlossen werden, so dass TerraSAR-X Anfang 2008 den
operationellen Betrieb aufnahm. Seitdem zeichnet sich die Mission durch einen
reibungslosen Betriebs- und Produktionsablauf aus, insbesondere durch
einzigartige Bildprodukte, die wissenschaftlich und kommerziell verwertet
werden.
Im Oktober 2009 soll der fast baugleiche Radarsatellit TanDEM-X starten.
Die beiden deutschen Satelliten sollen dann in einer engen Formation mit
Abständen zwischen einigen Kilometern und 200 Metern fliegen, um Daten für ein
globales, digitales Höhenmodell aller Landmassen der Erdoberfläche mit bislang
unerreichter Genauigkeit aufzunehmen.
Erfolgreiche Zweijahres-Bilanz
mit sehr gute Geolokalisierungs-Genauigkeit
Seit dem Start des Satelliten TerraSAR-X wurden vom
Missionskontrollzentrum des DLR etwa 35.000 Radaraufnahmen der Erdoberfläche
erfolgreich geplant, kommandiert, ausgeführt und zu rund 50.000 hochwertigen
Produkten für wissenschaftliche und kommerzielle Nutzer verarbeitet. Die
vorliegenden Ergebnisse demonstrieren eindrucksvoll die hohe Qualität der Produkte
des Satelliten TerraSAR-X, die in vielen Bereichen die Anforderungen sogar noch
übertreffen. Besonders hervorzuheben ist die sehr gute
Geolokalisierungs-Genauigkeit von besser als einem halben Meter. Diese erlaubt
es, zwei Aufnahmen einer Szene, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemacht
wurden, vollautomatisch pixelgenau zu überlagern. Weiterhin sind die hohe
radiometrische Genauigkeit sowie die sehr gute Stabilität des Radarinstrumentes
zu nennen.
Vielzahl von wissenschaftlichen
und kommerziellen Anwendungen durch die Radartechnologie
TerraSAR-X Produkte können für eine Vielzahl von wissenschaftlichen und
kommerziellen Anwendungen genutzt werden. Der Nutzungsschwerpunkt liegt dabei
auf den Landanwendungen wie Land- und Forstwirtschaft, Landnutzung/Vegetation,
die Beobachtung städtischer Gebiete und Kartografie. Aber auch die Eisforschung
oder maritime Anwendungen profitieren von den Radardaten. Nachfolgend drei
Beispiele für die Vielfalt der Anwendungen.
Schnelle Hilfe aus dem Weltraum
bei Naturkatastrophen
TerraSAR-X-Daten wurden mehrfach nach Naturkatastrophen von
internationalen Behörden zur Unterstützung des Krisenmanagements vor Ort
eingesetzt. Dazu gehören die Kartierung von Überflutungsgebieten sowie die
Schadensabschätzung nach Erdbeben. Wochenlange Regenfälle führten z.B. Anfang
November 2007 in den mexikanischen Bundesstaaten Tabasco und Chiapas zu
verheerenden Überschwemmungen, durch die rund eine Million Menschen obdachlos
wurden, darunter etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung Tabascos. Etwa 80
Prozent des Bundesstaates Tabasco, eine Gesamtfläche von rund 25.000
Quadratkilometern, standen zeitweise unter Wasser. Das DLR-Zentrum für
Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) unterstützte die mexikanische
Zivilschutzbehörde (CENAPRED) mit Satellitenbildkarten der Überschwemmungen.
TerraSAR-X ist in der Lage - unabhängig von Wolkenbedeckung und Tageszeit -
hochauflösende Aufnahmen mit bis zu einem Meter Auflösung zu liefern.
Frühzeitige Erkennung von
Veränderungen und Klimaeinflüssen in der Antarktis
Wissenschaftler beobachten mit Hilfe des Satelliten TerraSAR-X den
Verlust einer riesigen Eisbrücke am antarktischen Wilkins-Schelfeis. Die ersten
Eisberge brachen dort am 20. April 2009 heraus. Die TerraSAR-X-Bilder zeigen die
„gekalbten“ Eisberge. Die Abtrennung der Eisberge erfolgt an den Schädigungszonen,
die sich in den vergangenen 15 Jahren schrittweise gebildet haben. Die hohe
Auflösung der TerraSAR-X-Aufnahmen ermöglicht es, Verformungen im
Wilkins-Schelfeis auch im Bereich von circa 100 Metern und darunter zu
beobachten. Diese Informationen erlauben Glaziologen, die Deformation anhand
von Modellen genauer zu beschreiben. Neu geformte Risse sind in der
Anfangsphase sehr schmal und daher in Aufnahmen mit geringer Auflösung, wie sie
Satelliten der älteren Generation liefern, nicht sichtbar. Um den zeitlichen
Ablauf der Ereignisse zu rekonstruieren, benötigt man hoch aufgelöste Bilder,
wie sie TerraSAR-X liefert.
Wetterunabhängige und
grenzüberschreitende Verkehrsinformationen via Satellit - zur Stauvorhersage
und für bessere Routenvorschläge
Das DLR hat eine mehrmonatige Versuchsreihe zur Gewinnung von
Verkehrsinformationen via Satellit begonnen. Mit TerraSAR-X werden ausgewählte
Autobahnabschnitte in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie in Kalifornien
beobachtet. Ziel ist die Entwicklung eines Verfahrens zur großflächigen
Verkehrsdatenerfassung, die ohne Installationen am Boden auskommt und eine
schnelle Weitergabe der Daten an Verkehrsinformationsdienste erlaubt. Gegenüber
den bisherigen, meist stationären Messverfahren, können mit dem Satelliten
hochaktuelle Informationen auch von Straßen ohne Messpunkte, wetterunabhängig
und grenzüberschreitend gewonnen werden. Die Anwendung ist nicht auf das
Erkennen von Staus beschränkt. So kann die mittlere Geschwindigkeit entlang von
Autobahntrassen gemessen und daraus die augenblickliche Reisezeit zwischen
Verkehrsknotenpunkten ermittelt werden. Mit Hilfe dieser Informationen, können
Anbieter von Verkehrsdiensten den Autofahrern bessere Routenvorschläge machen,
dank modernster Radartechnik auch bei Nebel, starken Niederschlägen und
Dunkelheit. KFZ-Kennzeichen können mit dieser Technologie jedoch nicht erkannt
werden.
Auch die beiden
Zusatznutzlasten erfolgreich im Einsatz
Auch die beiden Zusatznutzlasten auf TerraSAR-X, das von der Firma TESAT
gebaute Laser Communication Terminal (LCT) und das vom Geoforschungszentrum
Potsdam beigestellte TOR-Experiment (Tracking, Occultation and Ranging)
funktionieren einwandfrei. Das LCT ist ein von der DLR Raumfahrt-Agentur
finanzierter Technologie-Demonstrator, der im Orbit zur Verifikation einer
schnellen optischen Datenübertragung im Weltraum eingesetzt wird. Mit LCT
konnte erstmals ein reproduzierbarer Datenaustausch zwischen den zwei niedrig
fliegenden Satelliten TerraSAR-X und NFIRE mit einer Übertragungsrate von 5,5
Gigabit pro Sekunde erreicht werden.
Einzigartige Erfolgsgeschichte
des deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X
Nach den Erfahrungen der ersten beiden Betriebsjahre kann die TerraSAR-X-Mission
als einzigartige Erfolgsgeschichte gewertet werden, die auch bei der
US-Weltraumbehörde NASA und anderen nationalen Raumfahrteinrichtungen sowie der
Europäischen Weltraumorganisation ESA große Anerkennung und Wertschätzung
hervorgerufen hat. Für die kommenden Betriebsjahre sind noch mehr spannende
Ergebnisse zu erwarten, die wissenschaftlich und kommerziell weitere Höhepunkte
setzen werden.
Zweiter Radarsatellit TanDEM-X
soll im Oktober starten – Daten zur dritten Dimension dann im Formationsflug
Der zweite, nahezu baugleiche deutsche Radarsatellit, TanDEM-X ((TerraSAR-X
add-on for Digital Elevation Measurement), ist bereits fertiggestellt und wird
zurzeit in München bei den Firmen Astrium und IABG ausgiebig getestet. Er soll
im Oktober starten, und zwar vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur aus. Die
beiden Satelliten sollen dann im engen Formationsflug Daten für ein globales,
digitales Höhenmodell aller Landmassen der Erdoberfläche mit bislang
unerreichter Genauigkeit aufnehmen.
Über
TerraSAR-X
TerraSAR-X ist der erste deutsche Satellit, der im Rahmen
einer so genannten Public Private Partnership (PPP) zwischen dem Deutschen
Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Astrium GmbH realisiert wurde.
Der Satellit umkreist die Erde auf einem polaren Orbit.
Dabei nimmt er mit seiner aktiven Antenne neue und hochwertige
X-Band-Radardaten von der gesamten Erde auf. TerraSAR-X arbeitet
unabhängig von Wetterbedingungen, Wolkenbedeckung und Tageslicht und ist in der
Lage, Radardaten mit einer Auflösung von bis zu einem Meter zu liefern.
DLR ist Verantwortlich für die wissenschaftliche Nutzung der
TerraSAR-X Daten. Das DLR ist weiterhin verantwortlich für die Planung und
Durchführung der Mission, ebenso wie für die Steuerung des Satelliten. Astrium
hat den Satelliten gebaut und ist an den Kosten für die Entwicklung und Nutzung
beteiligt. Die Infoterra GmbH, ein eigens zu diesem Zwecke gegründetes
Tochterunternehmen von Astrium, ist verantwortlich für die kommerzielle
Vermarktung der TerraSAR-X Daten.
Über TanDEM-X
TanDEM-X wird in öffentlich-privater Partnerschaft
(Public-Private-Partnership PPP) zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) und der Astrium GmbH realisiert.
Das primäre Ziel der TanDEM-X (TerraSAR-X add-on for Digital Elevation Measurement) Mission ist die Erstellung
eines globalen digitalen Höhenmodells. Bei einem Abstand von nur wenigen
hundert Metern werden hierzu die beiden Satelliten TanDEM-X und der nahezu
baugleiche TerraSAR-X, der seit dem 15. Juni 2007 im All ist, das erste
konfigurierbare SAR-Interferometer (SAR= Synthetic Aperture Radar) im Weltraum
bilden. Ein leistungsfähiges
Bodensegment, welches eng mit dem von TerraSAR-X verzahnt ist erlaubt
die Steuerung dieser komplexen Mission und vervollständigt das TanDEM-X-System.
Zur Abdeckung der gesamten Erdoberfläche wird ein dreijähriger Parallelbetrieb
im Formationsflug durchgeführt.
DLR ist verantwortlich für die wissenschaftliche
Nutzung der TanDEM-X Daten, die Planung und Durchführung der Mission, sowie die
Steuerung der beiden Satelliten und die Erzeugung des digitalen
Höhenmodells. Astrium hat den Satelliten
gebaut und ist an den Kosten für die Entwicklung und Nutzung beteiligt. Wie bei
TerraSAR-X ist die Infoterra GmbH, ein Tochterunternehmen von Astrium,
verantwortlich für die kommerzielle Vermarktung der TanDEM-X Daten.
Über das DLR
Das DLR ist das nationale Forschungszentrum der
Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt. Seine umfangreichen
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Luftfahrt, Raumfahrt, Verkehr und
Energie sind in nationale und internationale Kooperationen eingebunden. Über
die eigene Forschung hinaus ist das DLR als Raumfahrt-Agentur im Auftrag der
Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen
Raumfahrtaktivitäten sowie für die internationale Interessenswahrnehmung zuständig.
Das DLR fungiert als Dachorganisation für den national größten Projektträger.
In den dreizehn Standorten Köln (Sitz des
Vorstandes), Berlin, Bonn, Braunschweig, Bremen, Göttingen, Hamburg,
Lampoldshausen, Neustrelitz,
Oberpfaffenhofen, Stuttgart, Trauen und Weilheim beschäftigt das DLR
circa 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das DLR unterhält Büros in
Brüssel, Paris und Washington D.C.
Über Astrium
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der
EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr
2008 erreichte Astrium einen Umsatz von
4,3 Milliarden € und beschäftigte rund 15.000 Mitarbeiter in Frankreich,
Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft
gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen
und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente
sowie Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter
Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft-
und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen.
Im Jahr 2008 lag der Umsatz bei rund 43,3 Milliarden €, die Zahl der
Mitarbeiter bei mehr als 118.000.
Ansprechpartner
Eduard Müller
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Unternehmenskommunikation
Tel.: +49 (0) 2203 601-2805
Fax: +49 (0) 2203 601-3249
mailto:Eduard.Mueller@dlr.de
www.dlr.de
ASTRIUM
Ralph Heinrich
(Astrium D) Tel.:
+49 (0) 89 607 33971
Mathias Pikelj
(Astrium D) Tel.:
+49 (0) 7545 8 9123
Matthieu Duvelleroy (Astrium FR) Tel.: +33
(0) 1 77 75 80 32
Daniel Mosely (Astrium GB) Tel.:
+44 (0)1 438 77 8180
Francisco Lechón
(Astrium SP) Tel.:
+34 91 586
37 41
www.astrium.eads.net