- Weltraumtests in München - Start von Baikonur
im Oktober
- Kartierung der Erde mit innovativem
Radar-Interferometer
- Hochgenaues digitales Höhenmodell ab 2012
verfügbar
In der kommenden Woche wird der fünf Meter lange, 1,3 Tonnen schwere
Satellit nach Ottobrunn bei München transportiert. In speziellen Testanlagen
der Firmen Astrium und IABG wird der Satellit bis Mitte September seine
Weltraumtauglichkeit unter Beweis stellen müssen. Anschließend soll dann der
Transport zum Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) erfolgen. Der Start mit
einer russischen Trägerrakete vom Typ Dnepr ist für Oktober vorgesehen. Zusammen
mit dem baugleichen und seit zwei Jahren im All arbeitenden Satelliten TerraSAR-X,
soll der neue Radarsatellit im gemeinsamen Betrieb und Formationsflug mit
TerraSAR-X innerhalb von drei Jahren ein
digitales Höhenmodell der Landmassen der Erde erzeugen, das so bisher nicht
verfügbar ist. Beide Satelliten bilden dazu ein Radar-Interferometer, bei dem
die Satelliten in Abständen zwischen einigen Kilometern und 200 Metern in einer
engen Formationen fliegen werden.
Das Projekt TanDEM-X wird – wie schon die "Schwestermission"
TerraSAR-X – in einer Public-Private-Partnership (PPP) zwischen der Astrium
GmbH und DLR realisiert. Das PPP-Abkommen regelt unter anderem die Finanzierung
und Datennutzung von TanDEM-X. Demnach finanzieren die Partner (DLR und
Astrium) den knapp 85 Millionen Euro teuren Satelliten gemeinschaftlich: 59
Mio. € trägt das DLR, 26 Mio. € steuert Astrium bei. Das DLR entwickelt zudem
das für die Mission notwendige Bodensegment und ist verantwortlich für die
Planung und Durchführung der Mission, ebenso wie für die Steuerung der beiden
Satelliten und die Erzeugung des digitalen Höhenmodells. Die
Nutzung der Daten für wissenschaftliche Zwecke wird vom DLR-Institut für Hochfrequenztechnik
und Radarsysteme koordiniert. Die kommerzielle Vermarktung übernimmt exklusiv
die Firma Infoterra GmbH (Friedrichshafen) eine 100-prozentige
Tochtergesellschaft der Astrium.
Mit Hilfe der Doppel-Formation TerraSAR-X/TanDEM-X wird es möglich sein,
die komplette Landoberfläche der Erde, das sind 150 Millionen Quadratkilometer,
innerhalb von nur drei Jahren vollständig zu vermessen. Für ein 12-Meter-Raster
(Straßenbreite) wird eine Höheninformation mit Genauigkeit von weniger als zwei Metern bestimmt.
Der entscheidende Vorteil der satellitengestützten Vermessung der Erde
liegt in der Erzeugung eines weltweit durchgehenden, homogenen Geländemodells
ohne Brüche an regionalen oder Ländergrenzen oder Inhomogenitäten, die aus
unterschiedlichen Messverfahren und zeitlich gestaffelten Messkampagnen
entstehen (Mosaike). Hierbei spielt der Einsatz des Radars eine entscheidende
Rolle, da es vollkommen unabhängig von Wetter und Wolken bei Tag und Nacht betrieben
werden kann.
Das Verfahren ist derzeit konkurrenzlos und findet insbesondere auch in
den USA erhebliche Beachtung. TanDEM-X ist ein Schlüsselprojekt zur
Demonstration, zur Sicherung und zum Ausbau der deutschen Kompetenz und
Wettbewerbsfähigkeit in der satellitengestützten Radartechnik.
Deutschland wird mit dem Digitalen Geländemodell der Erde ab 2012 über
ein attraktives und weltweit einmaliges Datenprodukt verfügen, welches – neben
vielen wissenschaftlichen Anwendungsmöglichkeiten - in Initiativen und
Programmen wie z. B. ZKI (DLR-Zentrum für satellitengestützte
Kriseninformation), GMES (Global Monitoring for Environment and Security) und
GEOSS (Global Earth Observation System of Systems), aber auch in sicherheitsrelevante
Kooperationsabkommen eingebracht werden kann.
Über TanDEM-X
TanDEM-X wird in öffentlich-privater Partnerschaft
(Public-Private-Partnership PPP) zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) und der Astrium GmbH realisiert.
Das primäre Ziel der TanDEM-X (TerraSAR-X add-on for Digital Elevation Measurement) Mission ist die Erstellung
eines globalen digitalen Höhenmodells. Bei einem Abstand von nur wenigen
hundert Metern werden hierzu die beiden Satelliten TanDEM-X und der nahezu baugleiche
TerraSAR-X, der seit dem 15. Juni 2007 im All ist, das erste konfigurierbare
SAR-Interferometer (SAR= Synthetic Aperture Radar) im Weltraum bilden. Ein
leistungsfähiges Bodensegment, welches eng mit dem von TerraSAR-X verzahnt ist,
erlaubt die Steuerung dieser komplexen Mission und vervollständigt das
TanDEM-X-System. Zur Abdeckung der gesamten Erdoberfläche wird ein dreijähriger
Parallelbetrieb im Formationsflug durchgeführt.
DLR ist verantwortlich für die wissenschaftliche
Nutzung der TanDEM-X Daten, die Planung und Durchführung der Mission, sowie die
Steuerung der beiden Satelliten und die Erzeugung des digitalen
Höhenmodells. Astrium hat den Satelliten
gebaut und ist an den Kosten für die Entwicklung und Nutzung beteiligt. Wie bei
TerraSAR-X ist die Infoterra GmbH, ein Tochterunternehmen von Astrium,
verantwortlich für die kommerzielle Vermarktung der TanDEM-X Daten.
Über Astrium
Astrium, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der
EADS, ist spezialisiert auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme. Im Jahr
2008 erreichte Astrium einen Umsatz von
4,3 Milliarden € und beschäftigte rund 15.000 Mitarbeiter in Frankreich,
Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft
gliedert sich in drei Bereiche: Astrium Space Transportation für Trägerraketen
und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente
sowie Astrium Services für die Entwicklung und Lieferung satellitenbasierter
Dienstleistungen.
EADS ist ein global führender Anbieter in der Luft-
und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen.
Im Jahr 2008 lag der Umsatz bei rund 43,3 Milliarden €, die Zahl der
Mitarbeiter bei mehr als 118.000.
Über das DLR
Das DLR ist das nationale Forschungszentrum der
Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt. Seine umfangreichen
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Luftfahrt, Raumfahrt, Verkehr und
Energie sind in nationale und internationale Kooperationen eingebunden. Über
die eigene Forschung hinaus ist das DLR als Raumfahrt-Agentur im Auftrag der
Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen
Raumfahrtaktivitäten sowie für die internationale Interessenswahrnehmung
zuständig. Das DLR fungiert als Dachorganisation für den national größten
Projektträger.
In den dreizehn Standorten Köln (Sitz des
Vorstandes), Berlin, Bonn, Braunschweig, Bremen, Göttingen, Hamburg,
Lampoldshausen, Neustrelitz,
Oberpfaffenhofen, Stuttgart, Trauen und Weilheim beschäftigt das DLR
circa 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das DLR unterhält Büros in
Brüssel, Paris und Washington D.C.
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Eduard Müller (DLR) Tel.
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